Am Samstag (17.30 Uhr, Staffeln) startet Swiss Central zuhause gegen Vevey in die neue Saison. Vor dem Saisonauftakt spricht der neue SCB-Präsident Roger Getzmann über seine Pläne mit dem Klub, die Rolle der Stammvereine und seine Vision für den Zentralschweizer Basketball.
Interview: Daniel Schriber
Roger Getzmann, du bist seit Jahren eng mit dem Basketball verbunden. Wann und wie hat es dir den Ärmel reingezogen?
Ich habe 1990 im Alter von 16 Jahren mit Basketball angefangen. Zwei Jahre später spielte ich meine erste Saison für Reussbühl in der NLB. Basketball war damals ein grosses Ding. Nach den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona mit dem «Dream Team» um Michael Jordan brach auch bei uns ein regelrechter Hype aus. Dieser Hype ist vorbei, aber meine Leidenschaft ist geblieben – noch immer spiele ich in der 4. Liga bei TV Reussbühl.
Was fasziniert dich bis heute am Basketball?
Die Sportart hat Tempo, Taktik, Teamgeist. Du musst gedanklich schnell sein, hast unzählige Möglichkeiten zu punkten. Es geht rauf und runter, es ist ständig Bewegung drin. Dazu kommt, dass du mit dem Ball in der Hand jederzeit etwas kreieren kannst. Das ist einzigartig.
Und trotzdem fristet der Sport in der Deutschschweiz ein Schattendasein.
Das stimmt. Das ist für mich aber keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Im Gegenteil: Basketball ist weltweit der zweitpopulärste Sport. Das spornt mich an. Ich glaube an das Potenzial dieses Sports – auch in unserer Region.
Du übernimmst Swiss Central in einer Phase der Neuorganisation. Was waren deine ersten Schritte?
Wir haben den Vorstand auf zehn Mitglieder erweitert. Ziel ist, die Arbeit auf viele Schultern zu verteilen. Meine erste Aufgabe war es, die Organisation zu analysieren und eine klare Struktur zu schaffen: Welche Aufgaben gibt es, welche Personen braucht es? Das war dringend nötig, weil es zeitweise so aussah, als stünde SCB vor dem Ende. Heute spüre ich eine grosse Dynamik und viel positive Energie.
Wo setzt du die Schwerpunkte?
Das vorhandene Geld investieren wir zuerst in die Trainer im Nachwuchs, erst dann in unser NLB-Team. Die Leute, die Tag für Tag in der Halle stehen, leisten den Schlüsseljob. Unsere Aufgabe als Vorstand ist es, ihnen die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen.
Wie lautet deine Vision mit SCB?
Unser langfristiges Ziel ist klar: Swiss Central soll dauerhaft in der höchsten Liga, der Swiss Basketball League (SBL), spielen. Mit zwei, drei ausländischen Profis, aber vor allem mit einem Kern an Zentralschweizer Spielern. Dazu braucht es stabile Finanzen und Strukturen. Ich kann keinen Zeitplan nennen – ob in zwei, fünf oder sieben Jahren. Aber ich bin überzeugt: Wir schaffen das.
Roger Getzmann verfolgt mit Swiss Central klare Ziele. Foto: Boris Bürgisser, Luzerner Zeitung
Manche NLB-Teams verfügen über eine ausländische Verstärkung – nicht so SCB. Bleibt das so?
Ja, aktuell ist ein Profi aus finanziellen Gründen kein Thema.
Kommt hinzu, dass SCB regelmässig Talente ans nationale Ausbildungszentrum verliert. Stört dich das?
Im Gegenteil: Das zeigt, dass wir hervorragende Nachwuchsarbeit leisten. Unser Ziel muss sein, die Pyramide nach oben zu schieben: Dass die besten Spieler den Sprung ins Verbandszentrum nach Magglingen schaffen, darunter aber viele weitere mit NLB- und SBL-Potenzial folgen.
Warum bist du überzeugt von der Idee «SCB»?
Swiss Central ist eine wichtige Institution für den Basketball in der Zentralschweiz. Ich erinnere mich noch gut an die früheren Rivalitäten zwischen Reussbühl und Luzern. Auch das waren super Zeiten, aber heute ist für mich klar: Wenn du dauerhart erfolgreichen Leistungssport haben willst, müssen alle Zentralschweizer Klubs zusammenhalten. Dann können Träume in Erfüllung gehen.
Ein kleiner Traum dürfte sich am 13. Dezember erfüllen: Dann spielt SCB erstmals in der neuen Pilatus Arena.
An diesem Tag feiern wir den Zentralschweizer Basketball. Neben dem NLB-Spiel gegen GC Zürich treten auch Teams aus unseren Stammvereinen auf, darunter die 1.-Liga-Damen von Emmen und Zug. Wenn es uns gelingt, eine tolle Stimmung in der Halle und ein kleines Plus in der Kasse zu erreichen, sind wir happy.
Apropos Kasse: Die Finanzierung ist bei SCB ein Dauerthema. Wie steht es aktuell um die Mittelbeschaffung?
Es ist nicht einfach, aber ich will nicht jammern. Wir brauchen neue Ideen und Engagement, um nicht nur Basketballer, sondern generell Sportinteressierte für SCB zu begeistern. Schritt für Schritt werden wir Sponsoren und Partner gewinnen – auch mit Events wie in der Pilatus Arena.
Zur Person: Roger Getzmann (52) ist seit über 30 Jahren als Spieler, Trainer und Funktionär im Basketball und im Rollstuhlsport aktiv. Seit Dezember 2023 ist er beim Verband Swiss Basketball als Head of Coaches and Development für die Trainerausbildung verantwortlich. Getzmann ist verheiratet, Vater zweier erwachsener Kinder und lebt in Rothenburg.
Sportchef Zoran Popovic:
«Wollen einen klaren Schritt nach vorne machen»
Am Samstag um 17.30 Uhr eröffnet Swiss Central in der Sporthalle Staffeln in Reussbühl gegen Vevey die neue Saison. Das Team bleibt grösstenteils unverändert und wird weiterhin von Dragan Andrejevic gecoacht. Neu dabei sind der 19-jährige Luka Lati (Académie Fribourg) und der Franzose Lukas Ohmer, der berufsbedingt in die Zentralschweiz gezogen ist. «Letzte Saison haben wir viel Lehrgeld bezahlt, nun wollen wir einen klaren Schritt nach vorne machen», sagt Sportchef Zoran Popovic. Ziel ist die Playoff-Qualifikation