US-Profi Karachi Edo gibt am Mittwochabend seine Heimpremiere für Swiss Central (20.30 Uhr, Staffeln).

Text: Ismail Osman
Fotos: Boris Bürgisser, Luzerner Zeitung

Karachi Edo streifte sich das Trikot von Swiss Central Basketball über – und lieferte sofort ab. In nicht ganz 20 Minuten Spielzeit erzielte er 17 Punkte und pflückte 15 Rebounds gegen die U23 der Genfer Lions. Damit war er am vergangenen Samstag ohne Frage der entscheidende Mann beim 76:74-Auswärtserfolg. Das Debüt ist gelungen, das erste Heimspiel steht heute Abend (20.30 Uhr, Staffeln) an. Grund genug, den Neuzugang der Zentralschweizer näher kennenzulernen.

Seine Geschichte könnte in Nigeria beginnen, wo seine Wurzeln liegen. Oder im texanischen Dallas, wo er aufwuchs und sein Basketballtalent sichtbar wurde. Am besten startet man sie aber wohl im kalifornischen Fresno. Dort, an der Fresno State University, schmiedete Karachi Edo während vier Jahren seine Fähigkeiten auf dem Parkett. Nach 2017 schien alles bereit für die Profikarriere: Nach Einsätzen für die Sacramento Kings in der NBA-«Summer League», lag ein Vertrag in Südkorea lag bereit. Doch es kam anders: «Ich habe mir die linke Achillessehne im Training gerissen. Das war hart, mental mehr als körperlich» sagte der heute 31-Jährige rückblickend. Auf sieben Monate Reha folgte der Sprung ins Unbekannte.

Dunkelheit und ein Neustart

Sein erster Vertrag führte Karachi Edo nach Finnland. «Ich war zum ersten Mal wirklich allein. Es war Winter, meistens dunkel und kalt.» Die Isolation setzte ihm derart zu, dass er die Saison abbrach. Italien und Frankreich folgten – kurze Stopps ohne Stabilität. «Mir wurde klar, dass ich nicht einfach weglaufen kann, wenn ich mich unwohl fühle. Seither versuche ich, jede Situation so zu gestalten, dass ich die Freude behalte.» Mit diesem neuen Mindset fand er in Uruguay zurück zur Konstanz. Dann rief Südkorea erneut – und wieder kam etwas dazwischen. Diesmal die Covid-Pandemie 2020. Karachi Edo war zurück in Dallas und die Welt stand still.

Vom Basketballer zum Jugendpastor und zurück

Um die basketballfreie Zeit zu überbrücken, unterstützte Edo seine Kirche als Kinder- und Jugendpastor. «Ich hatte früher enorme Angst, vor Leuten zu sprechen. Die Kids stört es nicht, wenn du dich versprichst. Das hat mir die Angst genommen. Plötzlich konnte ich auch mit Erwachsenen anders kommunizieren.» Das sollte ihm auch in seinen nächsten Basketball-Engagements in Argentinien, den Philippinen und Mexiko zugutekommen. «Ich war immer einer, der alleine mit seiner Leistung führt. Nun konnte ich aber auch eine Stimme des Teams sein.»

Zweite Verletzung, zweites Comeback

In Mexiko verletzte er sich jedoch erneut schwer. «Der zweite Achillessehnenriss stellte die Frage: Will ich weitermachen?» Erneut sieben Monate Reha – erst in Mexiko, dann in Dallas. Doch Karachi Edo wollte weitermachen und sein Körper erlaubte es ihm, wie diverse Social-Media-Clips seiner sprunggewaltigen Slam-Dunks beweisen. Und nun also verstärkt er den jungen Kader von Swiss Central. Man muss den Basketball schon sehr lieben, um ihm um die ganze Welt zu folgen, oder? «Nein», antwortet Edo überraschend. «Ich liebe nicht das Spiel, ich liebe Teams», sagt er. Entscheidend sei das gemeinsame Ziel und die Verbundenheit. «Ich könnte auch in einem Café arbeiten – solange ich Menschen um mich habe, die mich tragen, wenn ich schwach bin, und die ich tragen kann, wenn sie schwach sind.»

Edo will nicht nur Spiele gewinnen. Er will Spuren hinterlassen. «Wenn ich einen einzigen Mitspieler positiv beeinflussen kann, ist mein Auftrag erfüllt. Wenn dieser eine andere beeinflusst, haben wir alle gewonnen.» Darauf baut er auch bei SCB, wo er vorerst bis Ende Jahr unter Vertrag steht. «Ich weiss, was es braucht, um eine Teamkultur zu stärken. Dazu möchte ich hier beitragen.» Swiss Central erhält damit nicht nur einen echten Profi auf dem Feld, sondern einen Menschen, der ein Team von innen heraus stärken will.

Hinweis: Dieser Beitrag erschien am 2. Dezember unter luzernerzeitung.ch