Die NLB-Saison von Swiss Central Basketball ist am Wochenende enttäuschend zu Ende gegangen. Präsident Roger Getzmann blickt zurück – und richtet den Blick bereits wieder nach vorne.
Interview: Dani Schriber
Roger Getzmann, mit der Niederlage vom vergangenen Sonntag in Genf ist klar: Die NLB-Meisterschaft ist für SCB frühzeitig zu Ende. Wie gross ist die Enttäuschung?
Die Enttäuschung ist natürlich da. Wir hatten uns mehr vorgenommen und wollten in die Playoffs. Jetzt gilt es, Bilanz zu ziehen.
Wie lautet diese in Kürze?
Es war keine einfache Spielzeit – weder für die Spieler noch für den Staff. Dabei sind wir eigentlich gut gestartet und konnten uns zunächst im oberen Mittelfeld etablieren. Sicher hat auch die Aussicht auf unser Gastspiel in der Pilatus Arena dazu beigetragen, dass die Motivation in den ersten Monaten besonders hoch war. Danach ging es leider abwärts.
Wie kam es zum Einbruch?
Der Abgang unseres Amerikaners Karachi Edo aus finanziellen Gründen hat uns sicher geschwächt. Dazu kamen Verletzungen sowie Absenzen wegen Ausbildung und Beruf. In dieser Phase haben wir viele Spiele verloren, die Negativserie zog sich bis in den Februar hinein. Das war für alle Beteiligten schwierig. Erst im März hat sich das Team wieder etwas gefangen und wir durften nochmals von den Playoffs träumen.
Du hast es schon erwähnt: Ein Höhepunkt war das Spiel gegen GC in der Pilatus Arena vor über 2500 Zuschauenden. Welche Bedeutung hatte dieser Abend für SCB?
Von der sportlichen Niederlage abgesehen, war das ganz klar das emotionale Highlight der Saison. Wir haben sehr viel Zeit und Energie in diesen Anlass investiert – und es hat sich gelohnt. Es war ein richtiges Basketballfest, ich habe sehr viele positive Rückmeldungen erhalten. Der Event hat gezeigt, welches Potenzial Basketball in der Zentralschweiz hat.
Wird es eine Fortsetzung geben?
Ja, wir werden am 12. Dezember wieder in der Pilatus Arena spielen. Das ist eine grosse Chance, unserem Publikum und möglichen Sponsoren zu zeigen, was hier entstehen kann. Unsere Vision ist klar: Wir möchten mittelfristig regelmässig in dieser Halle spielen.
Dafür braucht es auch die nötigen finanziellen Mittel. Wie sieht es hier aus?
Nicht rosig, aber etwas besser als zu Saisonbeginn. Wir konnten kleine Reserven bilden, aber das Thema bleibt zentral. Ohne zusätzliche Mittel wird es schwierig, die nächsten Schritte zu machen.
Ein wichtiger Schritt ist die Trainersuche. Die Zusammenarbeit mit Dragan Andrejevic wurde beendet.
Richtig. Wir haben uns entschieden, nach zwei gemeinsamen Jahren neue Impulse zu setzen. Bemerkenswert, dass wir nach Bekanntgabe der Trennung mit Dragan relativ schnell viele interessante Bewerbungen erhalten haben – auch von renommierten Trainern aus dem In- und Ausland. Das zeigt mir, dass Swiss Central als Adresse wahrgenommen wird.
Was erwartest du vom neuen Trainer?
Der Fokus soll klar auf der Spielerentwicklung liegen. Wir haben spannende Talente im Kader und aus dem eigenen Nachwuchs, die wir weiterbringen wollen.
Damit allein wird SCB aber kaum um die Spitze mitspielen.
Die Kaderplanung ist noch nicht abgeschlossen. Auch können wir uns aktuell vorstellen, dass wir uns wieder mit einem ausländischen Profi verstärken. Erfreulich ist zudem, dass viele der aktuellen Spieler auch nächste Saison zurückkehren dürften.
Wo setzt ihr neben dem Kader an?
Ein zentraler Punkt ist die Trainerqualität – insbesondere im Nachwuchs. Unser Ziel ist, in jedem Jugendteam mindestens einen Trainer mit Swiss-Olympic-Ausbildung oder vergleichbarer Qualifikation zu haben. Wir sind überzeugt, dass sich diese Investition langfristig auszahlen wird.
Sind weitere strukturelle Veränderungen geplant?
Ja, wir prüfen aktuell neue Lösungen für unsere U22. Eine Idee ist eine engere Zusammenarbeit mit einem Stammverein, damit unsere Talente regelmässig Spielpraxis im Männerbereich sammeln können. Die Gespräche laufen, entschieden ist aber noch nichts.
Du bist seit einem Jahr Präsident. Hand aufs Herz: Macht dir das Amt noch Freude?
Absolut! Ich bereue nichts und habe immer noch viel Freude und Spass an meinem Amt. Natürlich läuft nicht immer alles wie gewünscht, aber wir konnten den Verein breiter aufstellen. Und solche Highlights wie das Spiel in der Pilatus Arena geben enorm viel Energie. Sie zeigen, wofür wir arbeiten – und motivieren, diesen Weg weiterzugehen.